Vorurteile abbauen – meine vegane Woche

Menschen sehen sich ständig Vorurteilen ausgesetzt. Nicht nur wegen ihres äußeren Erscheinungsbildes sondern auch wegen ihrer Einstellungen und Lebensweise.Ich kann nun wirklich nicht behaupten diskriminiert zu werden, weil ich mich bemühe müllfrei zu leben. Aber trotz der täglichen Präsenz vermüllter Ozeane, großen Insektensterbens und der dringenden Notwendigkeit unseren Planeten vor uns selbst zu schützen werde ich doch häufig belächelt. Vorurteile und Klischees begleiten unseren Alltag ständig und trotz meines Bemühens jedem Menschen eine Chance zu geben muss ich zugeben, dass ich auch zahlreiche Vorurteile habe ohne mich mit den (möglichen) Motiven für das Verhalten eines anderen auseinanderzusetzen. Eine dieser Gruppen sind bei mir Veganer. Obwohl ich meinen Fleischkonsum stark reduziert habe, habe ich bis vor Kurzem innerlich die Augen verdreht, wenn mir jemand erzählt hat, er lebe vegan.

Wenn man auf die Fakten schaut verursacht der Fleischkonsum eines der größten ökologischen Probleme weltweit*. Die Massentierhaltung, die auch die Haltung für tierische Produkte wie Milch, Eier, Textilien und viele weitere Produkte einschließt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit für resistente Keime in zahlreichen Gewässern verantwortlich, zerstört wegen komplexen Handels- und Futterwege Regenwälder, erhöht gerade in Deutschland unnötig den Nitratgehalt im Grundwasser und, und, und.

Ich wollte nachempfinden, wie einfach oder schwer das Leben als Veganer ist und habe den Großelternbesuch meines Kindes dazu genutzt eine ganze Woche vegan zu leben. Oder besser: Ich habe es versucht.

Am Montagmorgen begann der Tag mit einem Obstfrühstück. Da fühlte ich mich gleich gut, weil das auch noch als sehr gesund gilt. Das Kaffeetrinken bei der Arbeit war ebenfalls gut möglich: Da ich an der Uni arbeite sind die Cafeterien und Mensen gut auf verschiedene Lebensweisen angepasst. Ich konnte einen Milchkaffee mit Sojamilch kaufen. Leider schmeckte mir diese Variante nur mäßig. Auch das Mittagessen war problemlos möglich, geschmacklich war es in Ordnung. Als ich mir abends ein Brot machen wollte waren die Probleme schon größer: Ich musste feststellen, dass Brot nicht automatisch vegan ist, also fror ich es ein (für die Zeit nach der veganen Woche). Am Ende blieben nur Knäckebrot und der Rote-Beete-Aufstrich.

Am Dienstagmorgen gab es wieder das Obstfrühstück und dann als Alternative zum Sojamilchkaffee einen schwarzen Tee ohne alles. Das Mittagessen, das vegan aus Spaghetti mit Tofustückchen-Soße bestanden hätte ließ ich ausfallen, da mir Tofu nicht schmeckt. Abends aß ich beim Italiener einen gemischten Salat mit Öl-Essig-Dressing.

Am Mittwochabend kochte ich nach einem ähnlichen Tag wie Dienstag eine vegane Spaghetti-„Bolognese“ mit einer Möhren-Sellerie-Soße. Das war wirklich gut!

Nach diesem sehr guten Abendessen fand ich den Donnerstag deutlich leichter. Ich frühstückte Reiswaffeln mit Marmelade und machte mir für das Mittagessen einen guten Salat. Abends gab es Nudeln mit Pesto.

Ich muss gestehen, dass ich am Freitagabend beim Grillen mit Freunden eingeknickt bin. Ursprünglich hatte ich mir vorgenommen, die veganen Essgewohnheiten auch dort durchzuhalten. Aber da ich nicht als Veganerin angekündigt war gab es dementsprechend auch nichts, das ich hätte essen können.

So schrumpfte meine geplante Woche zu einer kleinen Anzahl von Tagen. Daher ist eine endgültige Quintessenz vielleicht etwas gewagt, aber ein Fazit ziehe ich trotzdem:

Veganer verzichten auf echt viel. Ökologisch betrachtet sind die Mehrheit der Argumente auf ihrer Seite. Sie üben sehr großen Verzicht. Obwohl ich den Verzicht in den meisten Lebensbereichen auch stark befürworte und vertrete bin ich beim Thema Essen zu schwach für diesen Schritt. Aus oecotropholigischer Sicht mag es auch strittige Aspekte geben. Auch in der veganen Küche gibt es einige problematische Produkte (Palmöl, Avocados…) Nichtsdestotrotz:

Liebe Veganer, seit dieser Woche habt ihr für Euer Durchhaltevermögen meine echte Bewunderung!

 

 

*https://www.umwelt-im-unterricht.de/wochenthemen/fleisch-frisst-ressourcen/
https://www.bmu.de/faq/wie-sieht-die-flaechennutzung-in-der-zukunft-aus/
https://www.sueddeutsche.de/news/wirtschaft/agrar-umweltschuetzerfleischkonsum-halbieren-tierbestaende-senken-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-180109-99-567554

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